Salz ist Meer das nicht mehr in den Himmel zurück konnte.
Allgemeine Informationen | 2.6.2026Das Salz das nicht in den Himmel zurück konnte. Die Verdunstung hält es in den großen Becken der Salinen von Secovlje bei Piran gefangen. Die Szenerie ist gespenstisch und romantisch zugleich. Ein breiter Deich führt in die rund 6,5 Quadratkilometer große Ebene, die sich flach wie eine Leinwand vor uns ausbreitet. Die glatte Oberfläche wird durch kleine Wege aus Schlamm oder Holz wie durch grobe Pinselstriche in ein unregelmäßiges geometrisches Muster mit Rechtecken unterteilt. Die kräftigen weißen Wolken spiegeln sich im Wasser, und zwischen den braun und hellblau schimmernden Becken blitzen kupferrote Gräser hervor. Der Himmel, der wie Stahl schimmert, rahmt die Szenerie ein. Auf rostigen Gleisen stehen noch kaum beladene Loren und ein Labyrinth von Kanälen öffnet sich.
Die Secovlje-Salinen sind die nördlichsten noch aktiven Salinen im Mittelmeerraum. Am nördlichen Teil Lera wird das Salz noch immer nach alter Tradition gewonnen. Weniger als 50 Arbeiter entlocken heute noch den Salinen ihre Schätze. Es ist harte Arbeit in der prallen Sonne. Es gibt leider immer weniger Arbeiter die diese Arbeit beherrschen und tun wollen. Die Erhaltung der Becken ist aufwändig und teuer. Garantie ob die Salzernte gut wird, hat man nicht.
Der Ablauf der Salzgewinnung ist eine Wissenschaft. Eine Schicht von Biosedimenten in den Becken aus Kalkstein, Algen und so weiter verhindert, dass sich das Salz mit dem Schlamm vermischt, deshalb ist das Salz in Piran schneeweiß. Sie Salzmengen sind sehr unterschiedlich, abhängig vom Wetter. Vor allem häufiger Regen senkt den Ertrag. Mit einem speziellen Holzwerkzeug schieben die Salinenarbeiter das Salz an den Rand des Beckens, dann schaufeln sie es in die Waggons. Man muss dabei sehr vorsichtig sein, dass man das Salz nicht beschädigt. Das edelste Produkt ist die Salzblüte, ihr Geschmack ist vielschichtig, mild und fein. Nur auf der Oberfläche bildet sie eine kleine Kruste. In einem Becken mit circa 400 Kilogramm Natursalz fallen daher bloß 10 Kilogramm Salzblüte ab.
Charakteristisch ist die Pyramidenform der kleinen Kristalle, die innen hohl sind. Wenn man sie in die Hand nimmt, zerbröseln sie ganz leicht und zergehen schnell. Ein sehr feines, aber sensibles Produkt. Man nimmt es daher nur zum Verfeinern fertiger Gerichte.
Achtung!!!! nicht Nudelwasser damit salzen!!!! Die Salzblüte ist nicht nur ein geschmacklicher Höhepunkt, sie ist auch gesund und hat wesentlich mehr Mineralien als herkömmliches Salz, weil sie in direkten Kontakt mit der Sonne ist.
Die Salinen von Piran sind für mich ein Ruheplatz. Es ist wie ein Heimkommen. Trotz dass ich in den Salinen nur wenige kenne bleibe ich gerne stehen. Da kann es dann schon sein, dass mich eine Dame anspricht und sagt: „Schön dass du wieder einmal da bist!" Ich füll mein Auto voll mit Salz und fahr wieder heim in die Edelgreisslerei
Text: Auszug aus dem Buch EINFACH GENUSS Herwig Ertl, Ansichten eines kulinarischen Querdenkers